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Artikel vom 16.12.2003 aus SÜDWEST AKTIV Geislinger Zeitung schrieb:

KONZERT / Der "Junge Kammerchor" ist den Erwartungen und seinen eigenen
Ansprüchen gerecht geworden

Jubelnde Stimmen zur Adventszeit

Ein Höhepunkt der Konzertreihe zum Geislinger Weihnachtsmarkt war der
Auftritt des "Jungen Kammerchors", dirigiert von Gerhard Klumpp, an der
Orgel unterstützt von Michael Vollmer.

ULRICH SCHLECHT

GEISLINGEN

Das voll besetzte Mittelschiff der Geislinger Stadtkirche am Samstagabend war der Beleg dafür, dass sich der "Junge Kammerchor" in seiner nunmehr 15-jährigen Konzerttätigkeit einen hervorragenden Ruf erworben hat. Und das von Gerhard Klumpp bestens präparierte und geleitete Ensemble wurde den Erwartungen - und seinem selbst gesteckten hohen Anspruch - ein weiteres Mal gerecht. Das Vortragsprogramm, das demnächst als CD angeboten wird, wirkte trotz einer großen Bandbreite in der Entstehungszeit erstaunlich geschlossen. Advent und Weihnachten gaben immer Anlass zum Jubel, und diese Grundtendenz zog sich durch die dargebotenen Motetten und kleinen geistlichen Konzerte hindurch.

Gleich der vierstimmige a cappella Satz "The Sycamore tree" von Benjamin Britten bot eine lebhaft freudige Eröffnung. Einfaches modales Material schichtet der 1933 geborene Pole Henryk Górecki zu monumentalen Strukturen auf, wenn er das getragene "Totus tuus" den emphatischen "Maria, Maria"-Rufen gegenüberstellt und den achtstimmigen Chor, gelegentlich harmonische Reibungen einstreuend, mit einem ruhigen "Mater mundi" enden lässt.

Ebenso eindrucksvoll das Magnificat von Claudio Monteverdi, dem affektreichen und effektsicheren Renaissance Meister. Harmonisch gestützt von der Orgel, bewegten sich Soprane und Tenöre federleicht in den höchsten Höhen, und auch die Bässe vermochten sich einzupassen. Ein andermal, bei zwei Sätzen aus den "Vigilien" von Sergej Rachmaninow, wurde eher profunde Tiefe verlangt und auch gebracht. Gleiches gilt für Jan Pieter Sweelincks "Hodie Christus natus est" mit dem antiphonischen Vorruf der Tenöre. Diese fünfstimmige Motette war besonders beeindruckend. Sehr reizvoll erst der jubelnde Wechselgesang zwischen Männer-Terzett und Chor, begleitet von der Orgel, im geistlichen Konzert von Andreas Hammerschmidt über sein Weihnachtslied "Freuet euch, ihr Christen alle".

Michael Vollmer, Organist an der Boller Stiftskirche, unterbrach zweimal den Reigen der Gesänge mit passenden Orgelvorträgen. "Noël", eines von zwölf Weihnachtsstücken des Bach-Zeitgenossen Louis-Claude Daquin, bringt ähnlich wie die Sinfonia in Bachs Weihnachtsoratorium ein Zwiegespräch zweier Themen, welches schließlich zu einer abschließenden Koda geführt wird. Und eine Fantasie des 1936 geborenen Enrico Pasini, in der schnelle Laufwerke das Hauptthema, eine Art Choral, umranken, ergab eine passende Überleitung zum spätromantischen "Puer natus in Bethlehem" von Josef Rheinberger, mit dem der Frauenchor von der Empore herab engelsgleich den Kirchenraum füllte.

"O magnum mysterium" des Amerikaners Morten Lauridsen besang noch einmal in den höchsten Tönen das Sakrament des Weihnachtsgeschehens und mit einem verhauchenden Halleluja endete ein hochklassiges Konzert.

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Artikel vom 22.04.2003, SÜDWEST AKTIV Geislinger Zeitung schrieb:

PASSIONSKONZERT / Junger Kammerchor führt Dietrich Buxtehudes Kantatenzyklus

"Membra Jesu Nostri"
auf.

Der Klang von Schmerz und Zuversicht.
Nicht die Chronologie von Ereignissen, sondern Bilder des Leidens geben den Ton an
.

MARLIS PRINZING

Dem Jungen Kammerchor gelang eine tiefgründige Aufführung der "Membra Jesu Nostri" in der Geislinger Stadtkirche.


GEISLINGEN Mit Dietrich Buxtehudes Passionsmusik "Rhythmica oratio" gestaltete der Junge Kammerchor Geislingen sein Karfreitagskonzert in der Geislinger Stadtkirche. Schlicht akzentuiert und anrührend musiziert, gelang eine Klangfolge von großer Vielfalt und formaler Kraft, die durch Mark und Bein ging.

Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp, gestützt und ergänzt von Instrumentalisten des Ensembles "Concerto Barokoko" und von Gesangsolisten aus eigenen Reihen, gestalteten die Ausführenden eine tiefsinnige Klangbeschreibung menschlicher Gliedmaßen. Das Konzert begann bei den Füßen, arbeitete sich hoch über die Knie zu den Händen, gelangte an die Seite und zur Brust, fasste ans Herz und griff im Finale mitten ins Gesicht.

Keine Sekunde überließ Klumpp die Darbietung der Willkür des Zuschauers oder Sängers. Klar strukturiert und zielbewusst führte er beide durch den Körper des Geist werdenden Gekreuzigten. "Membra Jesu Nostri" (Bux 75) webt ein poetisch-mystisches Geflecht um einen mittelalterlichen Text. Mystik, treffsichere kompositorische Klarheit und biografische Lücken vereinen sich zum Charakterbild eines Komponisten, dessen Werk geheimnisvolle Tiefen und Raum für eigenes Empfinden birgt.

Die Forscher sind sich nicht einmal einig über Dietrich Buxtehudes Geburtsdatum. Angenommen wird, er sei 1637 im holsteinischen Oldesloe zur Welt gekommen. Dietrich wuchs zweisprachig auf in Dänemark, bei seinem Vater und dessen Frau. Ob sie seine Mutter oder seine Stiefmutter war, ist ebensowenig überliefert wie die Namen seiner Orgellehrer. Als Jugendlicher war Dietrich Buxtehude Organist an der Marienkirche im damals dänischen Helsingborg (heute schwedisch), 1660 zog er auf die andere Seite des Öresundes, nach Helsingør. Mit 30 heiratete er in Lübeck die Tochter des Organisten der Marienkirche, Franz Tunder. Eine solche Ehe galt als Karriereschachzug. Buxtehude setzte die Tradition der Abendmusiken fort, die sein Schwiegervater 1641 begonnen hatte, machte sie weit über den Ostseeraum hinaus bekannt und lockte 1705 den jungen Johann Sebastian Bach an. Er kam zu Fuß aus Arnstadt und überzog seinen Urlaub, um Kompositionskunst und Orgelvirtuosität zu lernen. Legendär ist Buxtehudes Offerte, Bach möge seine Tochter heiraten und sein Nachfolger werden.

Am 9. Mai 1707 starb Buxtehude in Lübeck. Viele seiner Orgelstücke sind erhalten, die Überlieferung der Vokalwerke ist lückenhaft. Zu den bekanntesten zählt "Membra Jesu Nostri". Die Herkunft der Textvorlage für die "Rhythmica oratio", die Buxtehude 1680 dem schwedischen Hofkapellmeister Gustaf Düben widmete, ist nicht eindeutig. Klumpp nennt als Quelle Arnulf von Löwens Gedicht "Salve mundi salutare". Er betrachtet die Verbindung von lateinischer Hymnendichtung und erotischem Mystizismus als Spiegelbild der pietistischen Strömungen jener Zeit. Buxtehude entwickelte aus dem Text eine Sammlung von sieben Kantaten, deren kompositionstechnische Geschlossenheit auf die Gattung des Oratoriums hinweist.

Im Stil von Concerto-Aria-Kantaten wird jeder Teil des Zyklus eröffnet mit einer instrumentalen Sonata. An sie schließen sich ein Chorsatz über einen Bibeltext an und danach Strophen des Gedichts, gesetzt als Arien in kleinerer Besetzung und oft instrumental verbunden. Jede Kantate schließt mit dem einleitenden Chorsatz.

Die Dichtung strukturiert den Zyklus; das Leiden Jesu wird nicht als Geschichte erzählt, sondern als Mitleiden und Mitfühlen an seinen Wunden. Nicht die Chronologie von Ereignissen gibt den Ton an, sondern gefühlsbetonte Worte und innige Klangbilder mit teils nadelstichartig gesetzten Dissonanzen, die wie Schmerz direkt in die Glieder fahren. Leiden, Aufbäumen, Zweifeln und Verzweifeln verschmelzen mit Trost, Linderung und Zuversicht. Irdisches Mühen verflicht sich mit mystischem Sehnen, das Solo des Einzelnen fügt sich ins Tutti von Chor und Instrumenten und schließt im siebten Bild des Zyklus mit der Botschaft an jeden, sein Leben und Leiden schlicht anzunehmen - und zu vertrauen: "Cum me jube emigrare, Jesu care, tunc appare, o amator amplectende, temet ipsum tunc ostende in cruce salutifera." ("Wenn du mich davon gehen heißt, dann, lieber Jesus, erscheine mir, du Liebender, den ich umarmen will, zeige dich mir dann selbst an deinem heilbringenden Kreuze.") Kirchenmusikdirektor Gehard Klumpp brachte Instrumentalensemble, Chor und Gesangsolisten in ein ausgewogenes Verhältnis. Die Solos übertrug er Chormitgliedern. Besondere Glanzlichter entzündete Luitgard Niebuer. Mit rundem, vollem Sopran zeichnete sie weite, tiefschürfende Klangbögen und akzentuierte eine Aufführung, die sich konstant auf hohem Niveau bewegte. Ulrich Nachbauer (Bass) fand sich gut in seiner Soloarie ("Dulcis Jesu") zurecht wie auch in den Dreierparts mit Altistin Christine Geier und Tenor Markus Sontheimer. Zartschmelzend und hochempfindsam wirkte Sontheimers Arie "Salve Jesu" im zweiten Bild des Zyklus, das mit einem zupackenden, aufbäumenden Chorpart schloss als sollte jeglicher Vertrauenszweifel in die Knie gezwungen werden: "Ihr sollt auf dem Arm getragen werden und auf den Knien wird man euch freundlich halten" (über das Jesaja-Wort "Ad ubera portabimini, et super genua blandientur vobis").

Sphärisch und schmerzversunken das in der dritten Kantate gemalte Bild von den Wunden der Hände. Tadellos Christine Geiers Alt-Part ("Salve, salus mea, Deus"), in dem sie in der fünften Kantate an die Brust griff. In der sechsten übersetzt Buxtehude Herz-Schmerzen - "Du hast mir mein Herz genommen" - in eine kleine Sexte, die er tonal absteigen lässt in inneren Tiefen. Das Ensemble "Concerto Barokoko" mit Birgit Trunk (Violine), Christine Winning (Violine), Jakub Horacek (Viola), Petra Mehringer (Violoncello), Gunter Schwarz (Violone), Laurentius Strehl (Gambe), Klaus Martius (Laute) und Kirchenmusikdirektor Wolfgang Gütinger (Orgel) musizierte zurückhaltend, harmonisch und zuverlässig.

Mit einem fünfstimmigen Amen und - dem Karfreitag angemessen - ohne Beifall überließen Klumpp, Chor und Instrumentalisten nach gut einer Stunde ihr Publikum eigenem Empfinden und eigener Passion. Entspannt, gestärkt, vielleicht getröstet, öffneten sich die Kirchentüren nach einer Aufführung von hohem Reiz. Technisch wie erwartet sehr professionell, überraschten der Grad der Sensibilität und die konsequente Selbstkontrolle, sich nicht zu Schwelgerei oder Sentimentalität verführen zu lassen. Diese schlichte, umso intensiver wirkende Gefühlsklarheit in der Interpretation ermöglichte es den Ausführenden, Ton und Klang gewordene Emotion und Passion auf direkten Nervenwegen durch Mark und Bein dorthin zu schicken, wo es am meisten schmerzt und gut tut: in Bauch, Herz und Kopf.

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Artikel vom 02.06.2002, Aargauer Zeitung, Baden Brugg Zurzach (CH) schreibt:

Zurzach: Junger Kommerchor Geislingen mit Motetten

Hoch empfindsamer Gesang

Nicht weniger als 12 Motetten stellte der Chor vor. Drohte da nicht Eintönigkeit? Mitnichten: Man erlebte ein spannungsvolles Spiegelbild der Entwicklung des geistlichen Chorgesangs der letzten vier Jahrhunderte.

30-köpfiges Ensemble
Das 30-köpfige Ensemble «Junger Kommerehor Geislingen» aus dem schwäbischen Hochland präsentierte ein auf hoher Stufe stehendes Konzert in der reformierten Kirche Zurzach. Anstelle der rund 70 Zuhörer hätten die deutschen Gäste ein grösseres Publikum verdient. Denn man erlebte ein erhebendes Konzert, in dem jedes Werk eine sehr sorgfältige und sinngemässe Interpretation erfuhr. Gerhard Klumpp leitet die Sängerschar seit 15 Jahren zielstrebig und sachverständig. Seine klare Zeichengebung garantiert Präzision und Präsenz, aber auch eine hohe Empfindsamkeit des Singens. Die Sänger, die meist schon als Schüler in den Chor eintraten, erfuhren eine fachgerechte Schulung, die heute schönste Früchte trägt: hohe Sangeskultur, reine Intonation und ein gefühlsbetontes Darstellungsvermögen. Mit zum Erfolg trug auch die wunderbare Akustik bei.

Monteverdi
Mit drei sechs- und einer fünfstimmigen Motette kam einer der prägnantesten Chorkomponisten der Renaissance, Claudio Monteverdi, zum Zug. Sofort stellte man eine ausgezeichnete Stimmkultur fest, die sich in hingebungsvollem und differenziertem Gesang äusserte. Der Organist Michael Vollmer bot auf der grossen Orgel in einer lebendigen Wiedergabe ein Werk des St. Peters-Organisten Giolamo Frescobaldi dar.

Eine andere Musikwelt tat sich auf Vorfahren und Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach waren im nächsten Programmteil zu hören. Da tat sich in den sechs- und achtstimmigen Motetten von Johann, Johann Christoph und Johann Michael Bach eine andere Musikwelt auf.

Mit imponierender Sicherheit sang sich der Chor in die Herzen der Zuhörer, die lauter Raritäten vorgesetzt erhielten. Für den Programmhöhepunkt sorgte aber ein Werk des grossen Thomaskantors seIber, nämlich die achtstimmige Motette «Komm, Jesu, komm», ein Schmuckstück voll tiefer Empfindung und Ausdruckskühnheit, dem der Chor eine gefühlsbetonte und eindrucksvolle Interpretation angedeihen liess.

Der Organist vermittelte mit dem Choralvorspiel «Schmücke dich, o liebe Seele» in einer erhabenen Darstellung ein leuchtendes Beispiel aus einer grossen Zahl solcher Bach-Kompositionen. Der Geislinger Kammerchor zeigte sich aber auch in Werken des 20. Jahrhunderts beschlagen. Strawinskys «Pater Noster» sang er sehr getragen.

Die gemässigt moderne Tonsprache bestach durch ihre Schlichtheit. Andere Töne schlug Heinz Werner Zimmermann im der Motette «Lobet, ihr Knechte des Herrn» an. Er wurde unterstützt durch den pointiert zupfenden Kontrabassisten Mark Schröder. Der Chor präsentierte ein vom Jazz inspiriertes Werk. Eine wohl klingende, eine dringliche und teilweise effektvolle Komposition stellte der unbegleitete achtstimmige Chor mit Orffs «Laudes creaturarum», den Sonnengesang des Heiligen Franziskus, vor. Etwas schräg in der musikalischen Landschaft stand des Orgelstück «Sortie» des Zeitgenossen Jan Janca. Es mutete mit seinen harten Dissonanzen etwas stereotyp an. Den technischen Anforderungen war Michael Vollmer voll gewachsen. Für einen erhebenden Abschluss sorgte der Chor mit der Zugabe «Die Nacht ist kommen» von Max Reger. (az/jr/cos)


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Artikel vom 05.06.2002, Aargauer Zeitung Seon (CH) schreibt:

Beispielhafte Vokalmusik junger Interpreten

Seon Solistenabend mit dem Jungen Kammerchor Geislingen und dem Organisten Michael Vollmer

Es ist eines der Hauptanliegen der renommierten Seoner Solistenabende, junge Musikerinnen und Musiker zu fördern. Das «Festliche Motettenkonzert» vom 2. Juni in der reformierten Kirche Seon war ein lebendiger, überzeugender und gewinnender Beweis dafür (das Konzert stand unter dem Patronat des Rotary Clubs Lenzburg). Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp wusste mit dem von ihm 1987 gegründeten Jungen Kammerchor Geislingen und dem Organisten Michael Vollmer sowohl künstlerisch als auch menschlich die Jugend subtil und sehr gewinnend zur Wirkung zu bringen. Es durfte erst am Ende des fünf Viertelstunden dauernden Konzertes Applaus gespendet werden, um auch die kleinsten Werke in das Ganze einzubinden und eine geschlossene Wirkung zu erzielen. Dieser Beifall war dann so intensiv und lange andauernd, dass eine wundersam innige Zugabe - «Das Nachtlied» von Max Reger (a cappella gesungen) - gespendet wurde: ein denkbar sinnvoller Ausklang des erlebnisreichen Abends.

Die Motette ist eine der zentralen Gattungen mehrstimmiger europäischer Vokalmusik - um 1200 aufkommend und bis in die Gegenwart gepflegt. Das Konzert vom 2. Juni schlug einen herrlich weiten Bogen: von der italienischen Renaissance (vier Motetten von Claudio Monteverdi, um 1640) zum frühen deutschen Barock (die Familie Bach: Johann - Begründer der Erfurter Linie; Johann Christoph und Johann Michael - die grossen Söhne von Heinrich Bach, Arnstadt), zur Gegenwart (Igor Strawinsky, Heinz Werner Zimmermann und Carl Orff (der «Sonnengesang des Heiligen Franziskus») und rundete sich aus mit zwei Meisterwerken von Johann Sebastian Bach: das Choralvorspiel für Orgel «Schmücke dich, o liebe Seele» (BWV 654) und die achtstimmige Motette «Komm, Jesu, komm» (BWV 229).

Als Basso continuo setzte der Dirigent eine Portativ-Orgel (Michael Vollmer) und einen Kontrabass ein (Mark Schröder): eine meisterhaft funktionierende Tongrundlage. - Eingestreut in die Folge von Motetten drei Orgelwerke, von M. Vollmer packend und temperamentvoll gestaltet; am kleinen Instrument «Canzona dopo l´Epistola» von Girolamo Frescobaldi, an der grossen Kirchenorgel «Sortie» (Auszug) von Jan Janca (geboren 1933) und das Choralvorspiel von Bach - in der hellen Akustik der Kirche brillant tönend. Die 13 in schwarzen Hosen und Vestons gekleideten Männer des Chores standen auf kleinen Podesten hinter den 17 in schwarzen Hosen oder langen schwarzen Kleidern gekleideten Frauen in einem flachen Rund: eine ideale Gemeinschaft, vom behutsam und äusserst präzise agierenden Dirigenten akustisch und rhythmisch beispielhaft geführt, wobei eine wohldosierte Steigerung bis zum Ende hin meisterhaft realisiert wurde. G. Klumpp liebt äussere Effekte gar nicht, er ist auf werkgetreue Konzentration bedacht und weiss das Ensemble im homophonen und polyphonen Satz gleichermassen geschlossen und luzid zu führen. Die vier-, fünf-, sechs- und achtstimmigen Kompositionen erklangen in bestechender Einheitlichkeit und ergriffen das Auditorium spontan und nachhaltig. Besondere Höhepunkte waren die vier Motetten von Monteverdi, die schwebende Miniatur «Pater Noster» von Strawinsky, die an alle Stimmlagen höchste Ansprüche stellenden «Laudes creaturarum» von Orff und die komplexe, harmonisch originelle, in beschwingter Glaubensgewissheit endende J.-S.-Bach-Motette «Komm, Jesu, komm».

Der nächste Solistenabend findet nach den Sommerferien am 8. September mit Beny Rehmann und Hanspeter Tschannen statt: bestimmt auch ein origineller Anlass. (hmr)